Vernissage: BLATTWERK II – Studien der Verwandlung
Andrea Krappitz präsentiert mit „Blattwerk II” eine konsequente Weiterführung ihrer gleichnamigen Werkgruppe. Die Ausstellung zeigt großformatige Darstellungen von Blättern, Blüten und Pflanzen, die aus ihrem natürlichen Maßstab herausgelöst werden. Ihre besondere Leidenschaft gilt den Eigenheiten von Pflanzen – insbesondere Zimmerpflanzen mit ihrem nostalgischen Charme: Gummibäume, Kakteen und Orchideen stehen im Mittelpunkt ihres künstlerischen Interesses. Ob im Urlaub, im botanischen Garten oder beim Spaziergang in der näheren Umgebung – die Künstlerin nimmt zunehmend die subtilen Nuancen von Licht und Schatten, Schärfe und Unschärfe, Nähe und Ferne sowie Glanz und Mattheit wahr und hält diese Stimmungen in ihren Werken fest. Durch die starke Vergrößerung des Bildausschnitts werden Details sichtbar, die sonst kaum wahrgenommen würden. Das Unscheinbare entfaltet eine neue Ästhetik, Eleganz und Bedeutung. Was auf den ersten Blick naturalistisch wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung eine subjektive Interpretation der Realität: sorgfältig gewählte Farbkontraste und Struktursysteme verfremden natürliche Farben und Formen auf expressive Weise. Durch die Lasur mehrerer dünner Farbschichten entsteht eine Tiefenwirkung, die die Blätter scheinbar plastisch aus dem Bild ragen lässt. Verwandlung zeigt sich so als bildnerischer Prozess, der Wahrnehmung neu ordnet. Die Künstlerin möchte mit ihren Bildern – als „Fenster ins Grüne” – eine unbeschwerte, anregende Atmosphäre vermitteln und den Betrachter einladen, an der Wunderwelt der Natur teilzuhaben. Ergänzt wird die Ausstellung durch Kakteen-Skulpturen, die eine ironische Utopie entwerfen: industriell gefertigte* Zimmerpflanzen, die nicht wachsen, nicht verwelken und kein Wasser benötigen – perfekt, berechenbar, reproduzierbar. Hinter dieser Perfektion schwebt jedoch eine Frage: Welche Gesellschaft erschaffen wir, wenn selbst unsere Pflanzen künstlich werden? Die Skulpturen spiegeln die Sehnsucht nach Natur in einer Welt wider, die zunehmend von Materialien geprägt ist, die länger leben als wir selbst – eine Utopie oder vielleicht eine Warnung.
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VERNISSAGE: So. 20.09.26/ 11Uhr